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Seite 2, Leseprobe:
"Enzo, ich kann nicht einschlafen!" sagt
MONIKA.
"Obwohl ich schon mindestens fünfzig Schäfchen gezählt habe. Es
klappt einfach nicht." Der Clown rückt einen Stuhl ans Bett und
setzt sich. "Soll ich dir noch etwas vorlesen?" fragt er.
MONIKA
strahlt. "Am liebsten mag ich Märchen. Aber keine, in
denen es grausam zugeht." Enzo nickt. "Keine Sorge. Meine
Gute-Nacht-Geschichten dürften genau das Richtige für dich sein." Er
schlägt das Buch auf. "Die erste Geschichte heisst 'Der
Drachenvogel'." Enzo räuspert sich, dann beginnt er: "Der
Riesendrache lebte in einer grossen, dunklen Felsenhöhle am Fusse
eines hohen Berges. Als er an diesem Morgen seine Höhle verliess, um
in der Nähe zu frühstücken, traf er nach wenigen Metern schon einen
kleinen Vogel, der am Wegesrand auf einem Stein hockte. Achtlos ging
er an dem Vogel vorbei. Da stimmte dieser ein herzzerreissendes
Klagelied an. Verwundert hielt der Riesendrache inne. "Ach, du meine
Güte! Singst du immer so falsch?" fragte er. "Dies ist ein
Klagelied, lieber Drache", piepste der Vogel traurig. "Ich habe mir
nämlich gestern den rechten Flügel gebrochen. Er lässt sich
überhaupt nicht mehr bewegen." |
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Seite 3, Leseprobe:
"Oje!" seufzt
MONIKA.
"Der arme Vogel!" Enzo sieht kurz auf, dann fährt er fort: "Der
Riesendrache aber wollte endlich frühstücken. "Du darfst mich nicht
allein lassen!" piepste der Vogel. "Wenn mich eine Wildkatze oder
eine Schlange entdeckt, bin ich verloren!" An diese Möglichkeit
hatte der Drache überhaupt nicht gedacht. Er überlegte eine Weile.
"Pass auf!" sagte er dann. "Du kletterst auf meinen Rücken. Dort
wird es keiner wagen, dich anzugreifen. Denn er würde es mit mir zu
tun bekommen." "Aber wie soll der verletzte Vogel das denn
schaffen?" fragt
MONIKA.
"Das wirst du gleich hören", antwortet Enzo und liest vor: "Und so
legte der Riesendrache seinen Schwanz ganz flach auf den Boden. Der
Vogel brauchte nur darauf zu hüpfen und auf ihm hochzuklettern. Als
er oben zwischen zwei Zacken einen gemütlichen Sitzplatz gefunden
hatte, konnte es endlich losgehen. Der Drache ging hinunter zu dem
Gebirgssee. Bevor er ins kalte Wasser stieg, um zu baden und zu
trinken, liess er den Vogel absteigen, damit auch dieser sich am
seichten Ufer erfrischen konnte. Dann nahmen sie auf der Wiese ein
üppiges Frühstücksmahl zu sich. |
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Seite 4, Leseprobe:
In den nächsten Tagen führte der Drache seinen Freund zu vielen
schönen Plätzen in der näheren Umgebung, die der Vogel nie zuvor
gesehen hatte. Und wenn der Tag sich seinem Ende zuneigte, dann
begaben sich die beiden in die Felsenhöhle des Drachen. Dort war der
Vogel die ganze Nacht über vor seinen Feinden geschützt." "Der Vogel
hat grosses Glück gehabt, dass er einen so hilfsbereiten Drachen
getroffen hat", sagt
MONIKA
erleichtert. Enzo nickt. Dann fährt er
fort: "Nach einigen Tagen war der gebrochene Flügel wieder gut
zusammengewachsen. Der Vogel konnte nun wieder so flink und so
geschwind fliegen wie zuvor. Er bedankte sich noch einmal für die
grosse Hilfe. "Ach was!" Der Riesendrache wurde ein wenig verlegen.
"Das war doch eine Selbstverständlichkeit. Hauptsache, es hat dir
auf meinem Rücken gut gefallen." "Es war wunderbar!" erwiderte der
Vogel. "Etwas musst du mir versprechen", sagte der Drache zum
Abschied. "Wenn du wieder einmal in diese Gegend kommst, musst du
mich unbedingt besuchen, ja?" Der Vogel nickte eifrig. Dann flog er
davon, geradewegs in den blauen Himmel hinein." |
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